Richard K. Breuer: Brouillé»Sehen Sie, Monsieur«, beginnt Triboulet – »es ist ein wenig … kompliziert. Manchmal scheinen die Dinge sehr einfach, aber dann … wenn man näher geht und sie neuerlich betrachtet, dann sehen die Dinge völlig anders aus. Nun, Monsieur Winterhalter hat nur seine ihm auferlegten Aufgaben erfüllt. Vielleicht war Monsieur Winterhalter das ein oder andere Mal zu hart … zu wenig gnädig, wenn es darum ging, die fälligen Abgaben bei den Bauern einzufordern.«

Frankreich im März 1789. Der Marquis d’Angélique erfährt von ungewöhnlichen Vorgängen im Schloss des Vicomte de Moucel. Der Gutsverwalter Winterhalter wurde ermordet, doch niemand hat großes Interesse an der Suche nach dem Mörder. Alle Bauern der Umgebung hassten ihn. Sein Tod scheint mit einer Quelle zu tun zu haben, deren Wasser man heilende Wirkung zuspricht, und die angeblich verkauft werden soll. Gemeinsam mit dem Gelehrten Mickiewicz und dem amerikanischen Draufgänger Duport begibt der Marquis sich zum Schloss. Die Adoptivtochter des Schlossherrn wird entführt und als Lösegeld eine Schenkungsurkunde für das Landstück mit der Quelle gefordert. Aber dies ist nur der Auftakt zu einer ganzen Reihe folgenschwerer Verwicklungen.

»Brouillé« ist der zweite Band einer vierteiligen Reihe über die Französische Revolution. Er ist aber in sich abgeschlossen und schildert eine Etappe auf der Reise der drei Hauptfiguren nach Paris. Der erste Band ist nicht unbedingt notwendig, um der Handlung zu folgen, die Lektüre empfiehlt sich trotzdem, schon allein, um die drei Hauptfiguren besser kennenzulernen, die im ersten Band ausführlich vorgestellt werden.

Jeder der drei Helden versucht den Mordfall nach seinem Spezialgebiet zu lösen: Mickiewicz von der Bibliothek aus, der Marquis auf diplomatischem Parkett und der tollkühne Duport auf seine zupackende Weise direkt vor Ort. In bester Agatha-Christie-Manier müssen sie den Täter finden. Die klassischen Zutaten sind vorhanden: Ein abgelegenes Schloss, ein gutes Dutzend Verdächtiger und ein erst allmählich erkennbares Motiv für die Tat.

Die Geschichte ist spannend, auch wenn es im Mittelteil einige Längen gibt, weil historische Ereignisse den Kriminalfall zu sehr in den Hintergrund drängen. Doch auch (oder besser gerade) in diesen Szenen kommen die Qualitäten des Romans zu Geltung. Da wäre zum einen der gut recherchierte Hintergrund: Fiktive treffen auf historische Figuren. Letztere bekommen dabei authentische eigene Aussprüche (mit Quellenangabe) in den Mund gelegt. Außerdem die sorgfältig gearbeiteten Dialoge, für die man sich eine Hörbuchfassung wünscht. Und nicht zuletzt der Humor:

»Als der Vikar ihrer ansichtig wurde, soll er sich mit den Worten, dass ihn der doppelgesichtige Teufel hole, laut schreiend aus dem Fenster gestürzt haben.«

»In welchem Stock lag das Zimmer des Vikars?«

»Zu ebener Erde.«

Der Marquis kniff ein Auge zusammen. »Dann wird ihm der Sturz schwerlich das Leben gekostet haben, oder?«

»Es war nicht der Sturz, der ihn das Leben kostete, sondern das Pferdegespann, welches gerade Bier und Wein in die königliche Krankenanstalt brachte.«

Sehr drollig fand ich auch, dass Mickiewicz zur Tarnung als der Genfer Bankier Brouillé auftreten soll, womit er überhaupt nicht einverstanden ist. Dies führt zu dem Effekt, dass der Titelheld des Romans seinen Namen bei jeder Gelegenheit verleugnet.

Wenn Brouillé … pardon, Mickiewicz am Ende alle Verdächtigen in der Bibliothek versammelt und den gesamten Fall noch einmal Detail für Detail resümiert, dann fühlt man sich an die großen Detektive der Kriminalliteratur erinnert. Schließlich war Hercule Poirot ja auch Franzose. Nein? War er nicht? Belgier, ach so. Nun, auch hier ist am Ende nicht alles so, wie es anfangs scheint.

Für den dritten Band »Madeleine« hat der Autor eine recht interessante Vermarktungsstrategie gewählt: Er sucht 99 Förderer, die sein Projekt unterstützen, bevor das Buch in den Druck geht. Nähere Informationen dazu findet man unter http://1668cc.wordpress.com/99-2/. Ich bin bereits dabei, denn ich will auf jeden Fall wissen, wie die Geschichte weitergeht.

Richard K. Breuer: Brouillé | Deutsch
Selbstverlag 2010 | 340 Seiten | Jetzt bestellen

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