Peter Viertel: Gefährliche FreundeWenn ich bei schönem Wetter in der Sonne sitze, statt brav an meinem Arbeitstisch, denke ich oft mit schlechtem Gewissen an einen Comic-Strip von Charles M. Schulz: Charlie Brown wundert sich, dass er einfach nichts von all dem schafft, was er sich vorgenommen hat. Warum nur? Im letzten Bild sieht man ihn träge vor dem Fernseher sitzen.

Das interessante Buch, um das es hier geht, fand ich zufällig in meiner Lieblingsbuchhandlung. Das Schlimme an Lieblingsbuchhandlungen ist ja, dass man dort eigentlich immer zufällig etwas Interessantes findet. In diesem Fall ist es ein Erinnerungsbuch des Drehbuchschreibers Peter Viertel mit dem Titel »Gefährliche Freunde«. Viertel ist hauptsächlich wegen seiner Dialoge für den Filmklassiker »African Queen« und seines Schlüsselromans »Weißer Jäger, schwarzes Herz« über die Dreharbeiten eben jenes Films bekannt. Die meisten seiner Bücher sind längst nicht mehr in Druck.

Beim Lesen des Buches »Gefährliche Freunde« bekam ich jedenfalls starke Gewissensbisse. Statt brav meine Arbeit zu machen, lag ich schmökernd auf der Wiese und genoss das schöne Wetter. Genau wie Viertel, denn der hat in seinem langen Leben zwar viel erlebt, aber – wie es sein Freund Hemingway prophezeite – literarisch nie etwas Herausragendes auf die Beine gestellt. Warum wohl?

Das süße Leben hatte es ihm angetan. Viertel hatte durch seine intellektuellen Eltern früh Zugang zur Kultur-Schickeria. Er spielte schon als Teenager Tennis mit Charlie Chaplin, lauschte beim Kaffeeklatsch den Ausführungen Thomas Manns und lernte beim Skilaufen Ernest Hemingway kennen.

Nach einem vielversprechenden Erstlingsroman verdingte er sich als Lohnschreiber für die Filmstudios. Zwar wollte er immer wieder Romane schreiben, doch für seine Kunst darben, war seine Sache nicht. Skilaufen in der Schweiz und Sommerurlaube in Südfrankreich hatten bei ihm oberste Priorität. Aus diesem Grund war er stets damit beschäftigt, dem nächsten Drehbuchjob hinterherzujagen, statt Literatur zu produzieren.

Peter Viertels Buch wimmelt von bekannten Namen: Ernest Hemingway, John Huston, Irwin Shaw, Orson Welles, Ava Gardner, Humphrey Bogart, Robert Capa. All diese Leute hatten Ecken und Kanten. Die farbloseste Figur in diesen Memoiren ist der Autor selbst. Er ging für seine Schreiberei nie ein Risiko ein. Überragende Werke hat er nicht geschaffen. Allerdings führte er ein angenehmes Leben, war mit den Großen dieser Welt befreundet, heiratete einen Filmstar und war auch mit siebenundachtzig noch aktiv.

Peter Viertel war nie berühmt. Man könnte ihn als Menschen bezeichnen, der sein Talent verschwendete. Er hatte aber in seinem Leben die Welt gesehen, schöne Frauen geliebt und gut von dem Leben können, was ihm Spaß bereitete. Was will man mehr?

Der einzige Nachteil ist, dass sich so ein Bilderbuchleben extrem langweilig liest. Jedes Problem, dass sich unserem Autor in den Weg stellt, löst er innerhalb weniger Seiten. Gegen Ende hatte ich kaum Lust weiterzulesen, obwohl das Buch gut geschrieben ist. Alles hat seinen Preis. Vielleicht ist der Preis eines glücklichen Lebens der, dass es andere Leute langweilt darüber zu lesen.

Peter Viertel: Gefährliche Freunde | Deutsch von Thomas Kuhnke
List Taschenbuch 2007 | 390 Seiten | Jetzt bestellen

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