der_susan_effekt_hbIch-Erzählerin Susan ist Experimentalphysikerin und Vorstand einer Familie von Hochbegabten. Ihre besondere Fähigkeit, der titelgebende Susan-Effekt, besteht darin, dass jeder, der mit ihr spricht, ihr die absolute Wahrheit erzählt. Darunter auch Dinge, die derjenige gar nicht erzählen möchte.

Als ihre Familie in Schwierigkeiten gerät, tritt die Regierung an Susan heran. Sie bietet ihr Unterstützung für eine entsprechende Gegenleistung: Eine Gruppe brillanter Wissenschaftler, die sich die Zukunftskommission nennt, erforscht die Gefahren der Zukunft. Doch plötzlich werden die Mitglieder dieser Kommission einer nach dem anderen auf grausame Weise umgebracht. Susan soll die Hintergründe für diese Morde aufdecken und die Protokolle der Kommission beschaffen.

Das Erste, was mir auffällt, als sie mich ihm gegenüber platzieren, ist: Hier haben wir einen Mann, der den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik außer Kraft gesetzt hat. In einer Stadt und einem Raum, wo alles und alle schwitzen, auch der Beton, wirkt er kühl und aufgeräumt in Jacke, Schlips und weißem Kragen.

»Ich komme von der dänischen Botschaft.«

Natürlich kommt er nicht von der Botschaft. Sein Teint ist weiß und zart, er kommt direkt aus Dänemark.

»Wo sind meine Kinder?«

»Ihr Sohn befindet sich in Almoeda in Haft, einer kleinen Grenzstadt zu Nepal. Wegen versuchten Antiquitätenschmuggels. Ihre Tochter ist offenbar mit einem Priester des Kalitempels in Kalkutta durchgebrannt.«

Wir sehen uns an. Die Zwillinge sind sechzehn Jahre alt.

»Ihr Mann …«

»Von dem will ich nichts hören.“

Der Roman ist ein Thriller, obwohl der Autor gängige Thriller-Elemente sehr sparsam einsetzt und der Verlagstext in dieser Beziehung doch etwas übertreibt, wenn er von einem »Pageturner« schreibt. Høeg dreht nicht ständig an der Spannungsschraube, sondern streut gezielt Informationen, die manchmal nur in einem Nebensatz auftauchen und einem leicht entgehen können. Die wohldosierten Actionszenen brechen völlig unvermittelt über den Hörer herein, brausen über den Zuhörer hinweg und lassen ihn etwas verwirrt zurück. Gerade das macht den Reiz dieses Buches aus.

Die Stärke des Buches ist aber auch gleichzeitig die Schwäche des Hörbuchs. Oder generell die Schwäche von Hörbüchern, denn das Zurückblättern ist sehr umständlich. »Der Susan-Effekt« ist deshalb eindeutig ein Buch, das man lesen sollte statt hören.

Der Sprecherin ist dies nicht anzukreiden. Sandra Schwittau liest das Buch auf sehr angenehme Art und hat genau den richtigen schnoddrigen Tonfall für eine unterkühlte, rationale Wissenschaftlerin wie Susan. Ich hätte allerdings nicht zu genau in der Textbeilage nachlesen sollen, wen sie alles noch synchronisiert. So ist es beim Zuhören zwar schön, sich Eva Mendes oder Hilary Swank als Susan vorzustellen, aber Frau Schwittau ist auch die deutsche Stimme von Bart Simpson, und das lässt sich nicht immer ausblenden.

Wer »Fräulein Smilas Gespür für Schnee« mochte, kommt auch hier auf seine Kosten. Wie in Høegs Bestseller muss sich eine starke Hauptfigur gegen eine gewaltige Verschwörung behaupten. »Der Susan-Effekt« ist nicht immer leichte Kost, aber in den besten Momenten packend, anregend und herrlich bizarr.

Peter Høeg: Der Susan-Effekt | Deutsch von Peter Urban-Halle
Der Hörverlag 2015 | Gelesen von Sandra Schwittau | Jetzt bestellen

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