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Kosmische Phantasien
Seit Anfang März 2006 sind die neuen Internetseiten der Helmstedter Künstlerin Julia Wally Wagner online. Ein guter Grund, sie und ihre Arbeiten auf unseren Seiten vorzustellen. Weitgehend zitiert von Holger Reichard
 
 
Kosmische Phantasien Seit 1986 kenne ich Jule bereits. Kennengelernt hatten wir uns über die Mitteilungsrubrik einer regionalen Anzeigenzeitung - eine Art Internetforum zu Zeiten, als es noch kein Internet gab. Jule ging noch zur Schule und wusste über ihre beruflichen Ziele damals nur, dass sie irgendetwas mit Gestaltung zu tun haben sollten. Ende der 80er entschied sie sich für eine Laufbahn als Malerin. Das erste Bild, das ich von ihr geschenkt bekam, war ein Aquarell, das erhebliche Zweifel an ihrer Berufswahl weckte. Doch das änderte sich sehr schnell, weil sie ihre Ziele mit außergewöhnlichem Ehrgeiz verfolgte.

Heute könnte ich ganze Seiten über Jule, ihren Weg und ihre Arbeiten schreiben. Doch ich fasse mich kurz. Zum einen, weil ich sie schon zu lange und zu gut kenne und dadurch möglicherweise ein wenig betriebsblind geworden bin, was die Beurteilung ihrer Person betrifft. Außerdem haben schon andere, kompetentere Menschen das Leben und Werk von Julia Wally Wagner in Worte gefasst, mitunter so gelungen, dass ich hier das Rad nicht neu erfinden möchte, sondern stattdessen ein Jujax-Portrait von Prof. Dr. Ekkehard Weber, von der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig, zitiere:
 
 
Julia Wally Wagner ist eine Künstlerin, eine Lebenskünstlerin, die seit 16 Jahren allen Widrigkeiten freischaffender Existenzen zum Trotz ihren Weg sucht und findet. Ihr Leben mag sich abspielen, wo immer es will, sie wird auf ihre eindringliche und anrührende Art besorgt sein, ihren Ideen passende Formen zu geben, sie in selbstgeschliffene Rahmen zu stecken, um sie der Öffentlichkeit »preis« zugeben.

Ihre Nachdrücklichkeit überrascht: Wollte man ihre Entwürfe zu einem verlangten Ensemble stilisierter Kühe nicht gehörig zur Kenntnis nehmen, so stellte sie bei Nacht und Nebel ein schwarzes Schaf, eine Skulptur unter die Kunstkühe. Tat wie auch Schaf überzeugten in einer liebenswert trotzigen Art die örtliche Gemeinde der Kunstsachverständigen.

Mit ihrer »kosmischen Malerei« setzt sich die Malerin mit dem Universum auseinander. Von 1989 bis 1995 stellt sie Satellitenaufnahmen, Röntgen- und Radiosternen in computergenerierten Falschfarben ihre vergleichsweise verträumte Sicht von Planeten, Spiralnebeln samt kosmischer Äther gegenüber, die zwar keine Erkenntnisse über schwarze Löcher zeigten, aber kräftige Farben und Kontraste vermitteln dem Betrachter ein Gefühl von Schönheiten, Geheimnissen und Untiefen unseres Weltenraumes, die wir - dem Universum sei es gedankt - nur aus der Ferne wahrnehmen können.

So naiv und verträumt ihre Weltenansichten sich dem Betrachter erschließen mögen, Julia Wagner ist sich der Gefährdung dieser Welt bewusst und zeigt sie uns am Beispiel unseres schönen blauen Planeten Erde, der in Gestalt eines rumdum abgebissenen Apfels im Weltall taumelt.

Die unaufdringlich daher kommende Gesellschaftskritik der Künstlerin wird deutlicher nach einer Phase der Reifung ihrer bildnerischen Ausdrucksfähigkeit von 1995 bis 1998 - sie experimentiert in dieser Zeit mit diversen Werkstoffen und Farben und versucht sich an Fabelwesen, Pflanzen, Tiere und Menschen und zunehmend auch an sogenannten abstrakten Bildelementen - und verschärft ab 1999 in Aussage und Ausdruck mittels detailreicher Bild- und Textcollagen, die Hunger und Not, Überfluss und Abfall unserer Dritten wie auch der Ersten und Zweiten Welt zum Inhalt haben.

Mit viel Genauigkeit und Sorgfalt werden aus unzähligen Einzelheiten »realistische« Bilder zusammengefügt, deren schiere Menge an Vielfalt und Aussage den Betrachter zu erschlagen drohen, als Ausdruck dafür, wie eine Welt an ihren Nöten und Missständen ertrinkt, zugleich und trotz alledem hervorgestreckte Hände, seriell geklebt, einen Kontrast von Untergang und vielleicht noch möglicher Rettung zeigen.

Träume und Fantasie und sehr viel Fleiß zeigen und bewahren unser Universum, und die Künstlerin Julia Wally Wagner hilft uns, eine bescheidene und konzentrierte Sicht auf die wesentlichen und schönen Dinge des Lebens nicht zu verstellen.

Prof. Dr. Ekkehard Weber, Hochschule für Bildende Künste
Braunschweig, 10. Juni 2003

 
Seitensprünge
www.jujax.de
Die neuen Seiten - online seit März 2006
 
arteventfactory.de
ART EVENT FACTORY von Julia Wagner - online seit Febr. 2007