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Jörn Brien: Szenen einer Großstadtjugend
Buchvorstellung und Interview von Frank Bergers
 
 
Szene einer Großstadtjugend»Gegenüber den Kindern haben wir verloren - die Sterne nur noch Koordinaten im luftleeren Raum.« Dirk, Harke, Steffi und die anderen haben ihr Abitur hinter sich und das ganze Leben steht ihnen offen. Was aber damit anfangen? »Szenen einer Großstadtjugend« erzählt in lakonischen Sätzen - untermalt von Gedichten und Liedtexten - von den wilden Tagen, in denen alles gewonnen und alles verloren werden kann. »Wir sind irgendwie dazwischen. Aber wo?«

Über den Autor: Lyrik, Kurzprosa und Jugendroman - Das sind die literarischen Fächer, in denen sich Jörn Brien auskennt. Auf seiner Homepage grossstadtjugend.blog.de kann sich der Interessierte ein genaueres Bild von dem Nachwuchskünstler verschaffen. In diesem Jahr hat die renommierte Anthologie »Frankfurter Bibliothek« das Gedicht »da wo das Eismeer lockt« aufgenommen.

Interview mit Jörn Brien von Frank Bergers

I. Rund um Jörn Brien

Welches Ziel verfolgt Dein »eliterator«-Blog?

Brien: Mit meinem Blog eliterator.de-News will ich vor allem meine Leser in punkto Medien-, Kultur- und Technologie-Nachrichten auf dem Laufenden halten. Der Blog bietet mir zusätzlich eine Plattform, auf meine eigenen schriftstellerischen und fotografischen Projekte hinzuweisen und mir Feedback einzuholen.

Welche literarischen Vorbilder hast Du? Wie ist Deine Beziehung zu den »alten Meistern«, wie z. B. Theodor Fontane? Findest Du hier Inspiration für Deine eigenen Werke, oder ist Dir so etwas völlig fremd?

Brien: Meine literarischen Vorbilder sind nicht unbedingt die »Alten Meister«, auch wenn ich diese natürlich gerne lese – nicht zuletzt weil viele der dort verarbeiteten Themen eine unfassbare Aktualität haben. Zu meinen Lieblingsautoren zähle ich aber eher Wolfgang Borchert, Heinrich Mann, Alexander Osang, Novalis oder Erich Kästner.

Was bedeuten Dir Preise und Auszeichnungen im Hinblick auf Dein (zukünftiges) Werk?

Brien: Ich sammle natürlich gerne Preise und Auszeichnungen. Das ist schließlich gut für das Ego. Ich bin mir aber auch darüber im Klaren, dass die Verleihung eines Preises nicht unbedingt auf die tatsächliche Qualität des ausgezeichneten Werkes schließen lässt. Da spielen schließlich viele Faktoren mit hinein.

Zuerst ein Buch über ein paar Heranwachsende auf dem Weg zum Erwachsenwerden, als nächstes ein Kinderbuch. Sucht Jörn Brien noch »sein« Thema, oder sind die beiden Bücher vielleicht gar nicht so weit voneinander entfernt?

Brien: Ich möchte mich nicht auf ein bestimmtes Thema festlegen lassen. Aber sowohl bei den »Szenen einer Großstadtjugend« als auch bei dem Kinderbuch spielen bestimmte Motive, wie das Gefühl des Verlassenseins oder der Mut, trotz aller Widrigkeiten, das eigene Leben in die Hand zu nehmen und sich durchzubeißen, eine große Rolle.

II. Rund ums Schreiben

Wolltest Du immer schon Schriftsteller werden, oder gab es eine Art Schlüsselerlebnis für den von Dir eingeschlagenen Weg? Kurz: Wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Brien: Ich habe seit frühester Kindheit gern gelesen und mich in ferne Welten und Abenteuer geträumt. Irgendwann wollte ich solche Geschichten dann auch zu Papier bringen.

Du hast offensichtlich auch ein Faible für Gedichte. Planst Du irgendwann, einen Gedichtband zu veröffentlichen?

Brien: Ich mag Gedichte, weil sich dort auf engstem Raum große Gefühle und Gedanken äußern lassen. Natürlich spiele ich mit dem Gedanken, einen Gedichtband zu veröffentlichen. Zur Zeit scheint die Idee aber bei den Verlagen nicht gut anzukommen. Gedichtbände sind offenbar nicht sehr wirtschaftlich.

Was treibt Dich an zum Schreiben?

Brien: Ich schreibe stoßweise. Immer wenn mich die Muse küsst, quetsche ich alles, was sich über Tage, Wochen oder Monate angestaut hat, hinaus. Die Bearbeitung erfolgt natürlich im Nachhinein. Es gibt aber auch lange Phasen, in denen mich nichts zum Schreiben treibt.

Kannst Du Dich noch an Deinen ersten Text erinnern, den Du verfasst hast? Was ist daraus geworden?

Brien: Nein. Wahrscheinlich ein Gedicht.

Wenn man einen Erstling veröffentlicht, hat man bis zu diesem Zeitpunkt noch weiteres Material angehäuft, z. B. Kurzgeschichten, Gedichte oder ähnliches. Was hältst Du noch so in der Hinterhand?

Brien: Klar habe ich noch einige Kurzgeschichten und Gedichte, die darauf warten, aus der Schublade gezogen zu werden und das Tageslicht zu erblicken. Diese Hinterhand wird natürlich ständig ergänzt.

III. Szenen einer Großstadtjugend

Wieviel von Jörn Brien steckt in »Szenen einer Großstadtjugend«? Ist es so ein Buch, das einfach geschrieben werden musste, weil es den Autor über die Jahre hinweg immer und immer bedrängt hat? Oder ist es eher aus einer spontanen Idee heraus entstanden?

Brien: Ich selbst bin in der ehemaligen DDR geboren und habe einen Teil meiner Kindheit dort verbracht. Der Fall der Mauer, der Eintritt in ein neues Gesellschaftssystem mit all seinen Vor- und Nachteilen haben mich und meine Umgebung geprägt. Viele der daraus erfolgten Veränderungen beschäftigen mich noch immer. »Szenen einer Großstadtjugend« ist also auch ein Stück weit eine Verarbeitung der Geschehnisse. Einige meiner Gedanken und Erlebnisse dienen natürlich als Vorlage für manche Szenen. Das Buch versteht sich aber nicht als Biographie.

Beim Lesen des Buches kam mir der Gedanke, dass der Stoff sich gut für ein Theaterstück eignen könnte. Wie denkst Du darüber?

Brien: Das wurde mir auch von anderen Stellen zugetragen. Auch ein Kurzfilm wäre denkbar. Ich bin offen für Vorschläge.

Warum ist Dein Erstling so kurz geraten? Gab der Stoff nicht mehr her oder sollte man das Ganze eher als »warmschreiben« betrachten?

Brien: Das Buch ist ja eine Verschmelzung von verschiedenen Szenen und ist bewusst kurz und prägnant gehalten. Ich wollte es dem Leser ermöglichen, sich sein eigenes Bild zu machen, sich eigene Szenen vorzustellen.

Am Ende des Buches erlaubst Du dem Leser einen kurzen Blick in die Zukunft der Protagonisten. Wird es irgendwann eine Fortsetzung von »Szenen einer Großstadtjugend« geben? Oder hast Du diesen Schluss bewusst gewählt, um das Thema gleich endültig abzuschliessen?

Brien: Das Buch ist abgeschlossen. Es wird keine Fortsetzung geben. Der Schluss soll aufzeigen, dass auch die in der Jugend noch so revolutionären Typen unter uns als Erwachsene eine »ganz normale« Familie mit den traditionellen Rollenbildern führen können.

IV. Ausblick

Buchveröffentlichung, Hörbuch, demnächst ein Kinderbuch. Hast Du bereits weitergehende Pläne? Werden wir Dich auch mal in anderen Ecken von Deutschland sehen, Stichwort Lesereise?

Lesungen sind bisher aus Zeitmangel noch recht rar gesät, das soll sich aber im Herbst 2008 ändern.

 
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Jörn Brien -
Szenen einer Großstadtjugend

tredition, 84 Seiten,
ISBN 3-940-54562-7