Ein Rückblick auf die 2. Bumsdorfer Auslese am 08. Januar 2010. Mit den Ensemble-Mitgliedern Axel Klingenberg, Marcel Pollex, Holger Reichard, Wiebke Saathoff, Daniel Terek, Play-it-again-Ben Bütter sowie den Gästen MarcD. aus W. und Luc Degla.
Würde die zweite Bumsdorfer Auslese am 8. Januar 2010 wirklich stattfinden? Ich muss ehrlich gestehen, ich hatte Zweifel. Nicht etwa wegen Auflösungserscheinungen des Ensembles, sondern wegen dem Sturm- und Schneetief Daisy, das mir der Wetterfrosch vom Zweiten Deutschen Fernsehen einen Abend zuvor apokalyptisch angekündigt hatte. Welche Sau mag bei einem solchen Schweine(grippen)wetter schon seinen Fuß vor die Tür setzen, geschweige denn ihn zusammen mit seinem zweiten Fuß durch meterhohe Schneeverwehungen zu einer Dichterlesung schleppen?
Dick vermummt brach ich in Richtung KaufBar auf. Die Bühne dort ist leicht höhergelegt. Ich dachte mir: Wenn dort wider Erwarten jemand in der ersten Reihe Platz nehmen sollte, würde er während der Lesung auf meine billigen Winterstiefel starren. Das durfte nicht sein. Also packte ich mir vorsorglich noch ein Paar Halbschuhe ein. Da es eine literarische Veranstaltung war, zu der ich fuhr, steckte ich die eleganteren Ersatzlatschen in eine Stofftasche mit dem Aufdruck »arte«. Mein Kulturbeutel. Nur so wird ein Schuh draus.
Doch all meine Sorgen erwiesen sich als unbegründet. Als ich in der KaufBar ankam, war von Daisy noch immer keine Spur. Und dass unsere Zuhörerschaft bei kälterem Wetter lieber auf dem Sofa liegen bleibt, kann man auch nicht behaupten. Im Gegenteil. Dreimal bin ich in der KaufBar inzwischen aufgetreten. So voll wie an diesem Abend war es meiner Meinung nach noch nie. (Ich weiß jetzt, dass die KaufBar einen Keller hat, und dass dort noch jede Menge Stühle stehen.)
Unter solchen Voraussetzungen konnte die anschließende Veranstaltung natürlich nur gelingen. Ich bin sicher, ich hätte etwas verpasst, wenn ich nicht dabei gewesen wäre. Wir haben jetzt ein Maskottchen, den Lesebiber. (Nein, das ist nicht der langhaarige Pianist, der unsere wortreichen Beiträge hinterrücks zu untermalen versucht). Der Lesebiber ist ein in der KaufBar aufgespürtes Plüschtier. Es wird bei künftigen Auslesen in Bumsdorf immer dabei sein und dafür sorgen, dass wir auf dem Autorensofa noch enger zusammenrücken (müssen) und es dort zwangsläufig noch viel kuscheliger wird als bisher.
Achja, und gelesen wurde auch. Zu den Vortragenden gehörten neben den Ensemble-Mitgliedern Wiebke Saathoff, Axel Klingenberg, Marcel Pollex, Holger Reichard, Play-it-again-Ben-Büttner, Daniel Terek die wunderbaren Gäste Luc Degla und MarcD. aus W. (Till Burgwächter war an diesem Abend entschuldigt. Er weilte in Norwegen und hatte dort auf schwarzen Messen sicher nicht nur mit einer hiesigen Black Metal Band zu kämpfen, sondern – so nahe am Nordpol – wohl auch mit der Mutter aller Daisys.)
Einer der vielen Höhepunkte der zweiten Bumsdorfer Auslese war Daniel Terek, der uns den Sinn des Lebens erklärte, und zwar aus der Sicht einer Kinder-Mortadella mit Gesicht.
Gelernt haben wir schließlich auch noch etwas: Russischer Wodka kommt nicht aus Russland, sondern aus Benin. Danke Luc! Und Dank an das zahlreich erschienende Publikum, das sich von Daisy nicht beirren ließ und ohne das Bumsdorf (und damit das Leben) keinen Sinn ergäbe.
bitte notieren!
Die Bumsdorfer Auslese, Braunschweigs
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