Markus Orths: Alpha & OmegaNotausgang. Rettungsboot. Sie fanden sich wieder auf einer mickrigen Pazifikinsel. Kolja gab Bitch ein paar Ohrfeigen, die er am liebsten sich selbst gegeben hätte, und schloss seine Frau in die Arme, als diese hustend zu sich kam, und für einen Augenblick hatte ich nicht aufgepasst und dem Beichtreflex in Kolja freien Lauf gelassen, und der arme Kolja konnte sich jetzt absolut nicht mehr zurückhalten.

»Bitch?«

»Ja?«

»Ich habe den schwulen Buddha gefickt.«

»Ist das ein Filmtitel?«

»Ich fürchte nein.«

Erzählt wird die Geschichte von Elias Zimmermann, einem Zeitreisenden aus dem Jahr 2525, der in unserer Gegenwart eintrifft, um die Rettung der Welt zu beobachten. Die Bedrohung ist ein Schwarzes Loch in der Wüste von Nevada, das den ganzen Planeten zu verschlingen droht. Rettung erhofft Elias sich durch Sybille Zacharias alias Omega, ein hochbegabtes junges Mädchen, das durch seine telekinetischen Fähigkeiten zum Tennisprofi wird und in die Endrunde von Germany’s next Topmodel gelangte. Ihr Vater Kolja, ihre Mutter Birte/Bitch, Großvater Gusto Winter und ihr Bruder Alpha unterstützen sie bei ihrem Vorhaben. Ihnen zur Seite steht eine bunt zusammengewürfelte Truppe von Helfern.

Eine genaue Beschreibung der Handlung würde auf viele potenzielle Leser vielleicht abschreckend wirken, deshalb verzichte ich an dieser Stelle darauf. Man sollte dieses Werk möglichst unvoreingenommen genießen, denn schon nach wenigen Seiten wird offensichtlich, dass Orths hier seiner Fantasie völlig die Zügel schießen ließ.

Die Wendungen der Handlung kommen überraschend und sind nicht vorhersehbar. Auch deshalb lässt sich das Buch nur schwer in eine Kategorie einordnen. Die Thematik ist Science-Fiction, aber vielen SF-Lesern wird es wohl zu abgedreht sein und nicht gefallen. Ebenso könnte man es als skurrile Familiengeschichte mit etwas Physik beschreiben, aber auch dies greift viel zu kurz.

»Alpha & Omega« ist keine leichte Lektüre, eher eine herausfordernde, aber auf jeden Fall eine lohnenswerte. Der Roman könnte für die Science-Fiction das sein, was David Mitchells »Die Knochenuhren« für die Phantastik war. Ein Genreroman auf hohem literarischen Niveau.

»Alpha & Omega« ist herrlich überdreht und pfeift auf Konventionen. Der Roman besitzt ein skurriles Personal, eine absurde Handlung und viele wundervolle Sätze. Zusammen mit seiner Kurzgeschichtensammlung »Irgendwann ist Schluss« meiner Meinung nach das Beste, was Markus Orths jemals geschrieben hat. Einfach ein tolles Buch.

Orths’ nächster Roman »Max«, der in diesem August erscheint, handelt vom Leben des Malers Max Ernst. Man darf gespannt sein, was der Autor aus diesem Stoff macht.

Markus Orths: Alpha & Omega | Deutsch
btb 2017 | 528 Seiten | Jetzt bestellen

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