M.J. Hyland: How the Light Gets InThere is a crack in everything.
That’s how the light gets in …
(Leonard Cohen, »Anthem«)

Die sechzehnjährige Louise aus Sydney soll ein Jahr als Austauschstudentin bei einer amerikanischen Gastfamilie in der Gegend von Chicago verbringen. Jedoch ist dies nicht eine Geschichte, die etwa an das fröhliche Treiben in L’Auberge Espanol erinnert. Louise kommt aus einer so genannten sozial schwächeren Familie und verdankt ihren Platz in dem Austauschprogramm ihrer überragenden Intelligenz, die sie schon in ihrer eigenen Familie zu einer Außenseiterin macht. Ihre Gastfamilie dagegen, die Hardings, sind eine wohlhabende amerikanische Bilderbuchfamilie, mit einem fünfzehnjährigen Sohn, James, und seiner zwei Jahre jüngeren Schwester Bridget, die sich hauptsächlich für den an amerikanischen High Schools typischen Kampf um gutes Aussehen, Insein, und Beliebtheit interessiert.

Erwartungsgemäß erleiden beide Seiten eine Art Kulturschock, als versucht wird, Louise in das Familienleben mit all seinen Regeln zu integrieren, und das, obwohl Louise sich nichts sehnlicher wünscht, als ihrer eigenen Familie für immer den Rücken zu kehren und mit einer neuen Identität ein anderes Leben anzufangen – eine Fantasie, von der sie seit Kindertagen besessen ist und für deren Verwirklichung sie bereit ist, fast alles zu tun. So wehrt sie zum Beispiel weder James‘ Annäherungsversuche ab, als dieser meint, sich in sie verliebt zu haben, noch weist sie Tom zurück, einen reichen Mitschüler mit Drogenproblemen, durch den sie dauerhaft in den USA Fuß zu fassen hofft.

Zwischen Louise und den Hardings, besonders den Eltern, tun sich Abgründe auf, die eine Verständigung schlicht verhindern, selbst wenn auf beiden Seiten guter Wille vorhanden ist. Zum Beispiel ist es für die Hardings unvorstellbar, Alkoholkonsum bei ihren Kindern zu tolerieren, während Louises eigene Mutter absolut nichts dabei findet, wenn ihre Töchter trinken. Alkohol und Drogen sind auch der äußerliche Anlass, warum Louise mit den Hardings in Schwierigkeiten gerät, und doch ist das Problem nur Ausdruck der grundsätzlichen Verschiedenheit, die Louise in sich selbst gefangen hält und unmöglich macht, dass sie sich anderen unverstellt mitteilt oder sich ändert.

Louises Geschichte ist trotzdem frei von Klischées und nicht vorhersagbar für den Leser. Sie ist ein überzeugender Einzelfall, und der kurze Roman spannend von der ersten bis zur letzten Seite.

M.J. Hyland: How the Light Gets In | Englisch
Canongate Books 2005 | 336 Seiten | Nur noch antiquarisch oder als eBook erhältlich

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