Jonas Jonasson: Die Analphabetin, die rechnen konnteAlle, die dieses Buch gelesen haben, werden verstehen, wieso es mir schwerfällt, den Inhalt zusammenzufassen. Dies wäre vermutlich die einfachste Variante: Der Roman handelt von einem Mädchen aus dem größten Slum Südafrikas, das über Umwege nach Schweden gelangt und dort 20 Jahre lang auf eine Atombombe aufpasst, die sie nie haben wollte und die es auch nicht geben sollte.

In diese Lage gebracht haben sie zum einen wohl ihre außerordentliche Intelligenz, zum anderen ihre durchgeknallten Freunde, die sie im Laufe der Zeit kennenlernt und sie ein (unfreiwilliges) Abenteuer nach dem nächsten erleben lassen. Dabei jagt ein Zufall den nächsten und immer, wenn man glaubt, dass die Handlung nicht mehr unwahrscheinlicher werden kann, kommt eine neue Überraschung.

Die statistische Wahrscheinlichkeit, dass eine Analphabetin im Soweto der Siebzigerjahre aufwächst und eines Tages mit dem schwedischen König und dem Ministerpräsidenten des Landes in einem Lieferwagen sitzt, liegt bei eins zu fünfundvierzig Milliarden siebenhundertsechsundsechzig Millionen zweihundertzwölftausendachthundertzehn. Und zwar nach den Berechnungen dieser Analphabetin.

Jonas Jonasson macht, was er auch schon beim Hundertjährigen gemacht hat: Er denkt sich eine völlig abgedrehte Story aus und lässt sie durch immer mehr Verkettungen logisch erscheinen. Dadurch ist zum einen oft der Punkt erreicht, an dem die Handlung ins Lächerliche gerät und zu sehr konstruiert wirkt. Gleichzeitig schafft es Jonasson aber mit viel Wortwitz viel zu verzeihen. Er kreiert starke Charaktere, mit denen er die Macken wirklicher Personen karikiert und sie völlig absurd wirken lässt. Ebenfalls ähnlich wie in seinem Vorgängerroman holt er die Mächtigen der Welt von ihren Podesten und denkt sich auch für sie nicht weniger schrullige Eigenschaften aus.

In diesem Moment flog die Tür auf. Ein älterer Mann mit Pistole kam herein und brüllte auf Englisch, dass niemand sich vom Fleck rühren solle. »Was ist denn jetzt schon wieder los?« fragte Schwedens Ministerpräsident mit der Spülbürste in der Hand. Nombeko antwortete ihm auf Englisch, dass der Mossad gerade ins Haus eingedrungen war, in der Absicht, die Atombombe im Kartoffellaster für sich zu beanspruchen.

Man sollte in diesem Roman nichts für voll nehmen und jede als Fakt verkaufte Information besser zweimal prüfen, denn der Autor spielt und dreht gerne an Wahrheiten, wo er kann, um sie sich für seinen Roman zu eigen zu machen. Insgesamt kann ich den Roman weiterempfehlen, wenn man mal wieder richtig lachen möchte, wobei das Buch sicher nicht jeden Geschmack trifft. Unterhaltsam ist es auf jeden Fall.

Jonas Jonasson: Die Analphabetin, die rechnen konnte | Deutsch von Wibke Kuhn
Carl’s Books 2013 | 448 Seiten | Jetzt bestellen

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Close