Ian McEwan: AtonementI like to think that it isn’t weakness or evasion, but a final act of kindness, a stand against oblivion and despair, to let my lovers live and to unite them at the end.

»Atonement« fängt an wie ein historischer Liebesroman: Es sind die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Cecilia Tallis, Tochter reicher Eltern, frisch aus Cambridge zurück, und Robbie Turner, Sohn der Putzfrau von Cecilias Familie, entdecken an einem Sommerabend, dass sie ineinander verliebt sind. Es sind jedoch nicht ihre unterschiedliche soziale Herkunft oder die strengen Sittenvorschriften ihrer Zeit, die ihrer Liebe Hindernisse in den Weg legen, sondern die zu lebhafte Fantasie von Cecilias kleiner Schwester Briony (13).

An demselben Abend, an dem Robbie und Cecilia ihre Liebe zueinander entdecken, wird Brionys Cousine Lola (15) Opfer einer Vergewaltigung. Ohne richtig zu verstehen, was sie tut und warum sie es tut, behauptet Briony, sie hätte Robbie bei der Tat gesehen. Er wird verurteilt und kommt ins Gefängnis.

Der zweite Teil des Romans transportiert den Leser abrupt mitten in den Zweiten Weltkrieg, nach Frankreich, wo Robbie sich mit der englischen Armee auf dem Rückzug befindet. Im Gegenzug für eine frühzeitige Entlassung aus dem Gefängnis ist er zum Militär gegangen. Cecilia hat er seit jenem Sommerabend nur einen kurzen Nachmittag gesehen. Dass sie in England auf ihn wartet, hält ihn am Leben.

Im dritten Teil kehrt der Leser zurück zu Brionys Perspektive. Inzwischen ist sie 18 und hat das Ausmaß ihrer kindlichen Falschaussage erkannt. Von ihrer Schuld geplagt versucht sie, mit ihrer Schwester und Robbie in Kontakt zu treten und wieder gutzumachen, was sie kann. Ihre Buße wird gleichzeitig zu ihrem künstlerischen Lebenswerk. Hatte sie als Kind noch unbedeutende Theaterstücke verfasst, schreibt Briony seit dem Sommerabend, an dem sie Robbies und Cecilias Leben ruinierte, an einem Roman, der erklären soll, wie es dazu kam, dass sie Robbie eines Verbrechens beschuldigte, ohne sicher zu sein und ohne in böser Absicht zu handeln.

Das Ende von »Atonement« hält eine weitere Überraschung den Leser bereit: Briony, nun über 70 Jahre alt, lässt ihr Lebenswerk und Teile ihrer Familiengeschichte quasi in Zeitraffer Revue passieren. Sie weiß, dass sie aufgrund einer Krankheit in naher Zukunft ihr Gedächtnis verlieren wird, und erklärt, was sie aus ihrer, Robbies und Cecilias Geschichte gemacht hat und warum sie es getan hat.

»Atonement« ist ein immer spannender, faszinierender und berührender Roman voller überraschender Wendungen, der viel zu denken gibt über das Verhältnis von Wahrnehmung und Tatsachen, Täuschung und Wahrheit und Fiktion und Realität.

Ian McEwan: Atonement | Englisch
Vintage 2002 | 384 Seiten | Jetzt bestellen

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