Guy Vanderhaeghe: The Last CrossingAn illusion so cheering I came to write it – poems dedicated to what might have been. In my verse, Lucy still hovers beyond my reach, but there I can gaze upon her as nowhere else. It brings a tiny leap of life, a small stirring in the depths of my dusty heart.

Ein reicher Engländer schickt seine zwei Söhne Charles und Addington am Ende des 19. Jahrhunderts, zur Zeit des Wilden Westens, auf die Suche nach ihrem Bruder in die USA. Charles, der jüngere der beiden, ist ein wenig praktisch veranlagter, gescheiterter Maler, der die meiste Zeit damit verbringt, sich wegen seines nicht vorhandenen künstlerischen Talents selbst zu verachten. Der ältere, Addington, ist getrieben von dem Wunsch, Jungfrauen zu vergewaltigen und ein Leben in der wilden Natur zu führen, das aus Jagd und Kampf besteht.

Addington ist der verschollene Bruder Simon, der Charles‘ Zwilling ist, relativ egal. Für ihre Suche in der wilden, unkultivierten Prärie Amerikas engagieren die beiden einen Halb-Indianer als Führer. Eine Frau, Lucy Stoveall, schließt sich ihrem Treck an. Sie gibt vor, ihren Ehemann zu suchen, der sie längst verlassen hat, ist aber eigentlich darauf aus, die oder den Mörder und Vergewaltiger ihrer kleinen Schwester zu finden, die relativ früh im Roman stirbt. Custis Straw, ein Pferdehändler, folgt ihr und den Brüdern, weil er Lucy liebt und sie beschützen will.

Dieser Ausgangspunkt der Geschichte dient dem Autor, dem Kanadier Guy Vanderhaeghe, vor allem als Aufhänger, um über die Figur des Custis Straw die Schrecken und Enttäuschungen zu beleuchten, die Amerika durch den Bürgerkrieg erfahren hat, und über den Halb-Indianer Jerry Potts die Zerrissenheit der Ureinwohner und das gespaltene Verhältnis aller zur Besiedelung des einst wilden Kontinents, zu Zivilisation und Forstschritt, darzustellen.

Auch Charles‘ Vergangenheit und sein Verhältnis zu seinem Bruder sorgen für zahlreiche Abschweifungen und Rückblenden ins historische England. Dabei ist der Roman mit Ausnahme einiger weniger Passagen stets spannend und lesbar – dank der Verwicklungen und Rivalitäten, für die der Mord und die Liebeswirren der drei Hauptfiguren sorgen, und auch dank wechselnder Perspektiven und Erzählerstimmen. Trotz allem bleibt »The Last Crossing« weit hinter Vanderhaeghes tiefgründigem Meisterwerk »The Englishman’s Boy« zurück.

Guy Vanderhaeghe: The Last Crossing | Englisch
Little, Brown Book 2005 (Neuauflage) | 480 Seiten | Nur noch antiquarisch erhältlich

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