Dave Eggers: The CircleGoogle, Amazon, Facebook, Twitter … – kaum jemand, der mit diesen Begrifflichkeiten nichts anzufangen weiß und nicht in irgendeiner Form partizipiert, und noch immer steigen die Zahlen: Facebook hat über eine Milliarde Nutzer und die Anfragen auf Google liegen im Billionenbereich. Wie sehr uns das digitale Zeitalter bewegt und einbindet und welche Gefahren damit einhergehen, zeigt überdeutlich der Roman »The Circle« von David Eggers.

Die Hauptperson »Mae« Holland wird beim international erfolgreichsten und mächtigsten IT-Unternehmen, dem »Circle«, angestellt und kann ihr Glück kaum fassen: beste Arbeitsbedingungen, enorme Aufstiegsmöglichkeiten und Verhältnisse, wie es sie in keinem anderen Unternehmen gibt. Schnell lässt sie sich von der dortigen Atmosphäre mitreißen und unterstützt begeistert ein Programm der absoluten Überwachung, das Transparenz garantieren soll und jegliche Form der Privatsphäre unterdrückt. Im Laufe des Romans nimmt ihr Verhalten und Denken immer mehr an Radikalität zu. Sie verliert sich in einem Fanatismus der Überwachung. Jeder Mensch solle so viel wie nur möglich mit seiner Umwelt teilen – »alles Private ist Diebstahl«, so ein Motto des Unternehmens.

Vom ersten Tag an begleitet man Mae beim Erklimmen der Karriereleiter und stellt fest, dass ihr ganzes Wesen von Einfältigkeit und Naivität eingenommen wird. Dennoch ist es ein schleichender Prozess, der einem gleichzeitig bewusst macht, wie effektiv der »Circle« es versteht, zu manipulieren. Er gelangt zu einer totalitären Macht – einer Macht, die die eines jedes Staates bei Weitem übersteigt und die Rückhalt bei einem Großteil der gutgläubigen Bevölkerung findet.

Eggers‘ Dystopie warnt vor einer Zukunft, die es tatsächlich geben kann, wenn wir nicht anfangen (oder aufhören), unser digitales Verhalten kritisch zu hinterfragen, also genau das zu tun, was Mae nicht schafft. Soziale Netzwerke und Unternehmen wie amazon oder Google bieten unzählige Möglichkeiten, im Positiven wie im Negativen, und dessen müssen wir uns bewusst sein. Wollen wir wirklich alles von unserer Persönlichkeit preisgeben? Sollte Öffentliches und Privates nicht weiterhin getrennt sein?

Das Lesen des »Circle« öffnet einem in vielerlei Hinsicht die Augen und man begegnet seinem eigenen medialen Verhalten auf ganz neue Weise. Das Thema betrifft schließlich nahezu jeden. Es warnt vor naivem Verhalten im Netz und zeigt die unvorstellbaren Ausmaße, die zu erreichen leider möglich sind. So erinnert das Buch auch an Orwells »1984«, übertragen auf die Moderne, mit ähnlich wirkenden Euphemismen: »Geheimnisse sind Lügen«, »Teilen ist Heilen«, »Alles Private ist Diebstahl«.

Bleibt zu hoffen, dass wir in diesen Zeiten einer immer mehr hinterherhinkenden Medienkompetenz die Balance zwischen Öffentlichem und Privatem finden werden.

Dave Eggers: The Circle | Deutsch von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
KiWi-Taschenbuch 2015 | 560 Seiten | amazon-info

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