Daniel Terek: Der WeltenmampferNicht weniger als 149 Bücher und Hörbücher haben wir in unserem Blog inzwischen vorgestellt, die Werke berühmter Schriftsteller ebenso wie kleine, unentdeckte Perlen, verfasst von kaum bekannten Autoren. Das Buch, das ich heute vorstellen möchte, gehört zur zweiten Kategorie: »Der Weltenmampfer« von Daniel Terek.

Es ist die 150. Buchbesprechung auf dem Boylevard. Dass Daniel Terek diese Ehre zuteil wird, ist purer Zufall, aber ich gönne es ihm. Schon dreimal stand ich mit ihm zusammen auf einer kleinen Braunschweiger Lesebühne namens Bumsdorfer Auslese. Ich freue mich immer auf diese Veranstaltung, weil man dort nicht nur mich auf die Bühne lässt, sondern eben auch Daniel Terek. Seine Auftritte gehören stets zu den Höhepunkten des Abends.

Mit dem »Weltenmampfer« hat Daniel Terek jetzt sein erstes Buch veröffentlicht. Ich möchte es allen ans Herz legen, die Spaß an Lesebühnentexten haben, wie zum Beispiel die von Horst Evers (»Die Welt ist nicht immer Freitag«), an Texten, die man nie zu ernst nehmen darf, deren Ernsthaftigkeit man aber auch nicht unterschätzen sollte.

Und dann kommt der Moment, in dem der Spross, der ähnlich einem schwarzem Loch alles absorbiert, seinen Zeigefinger aus der schützenden Umhausung seiner Nase holt und mit den Worten: »Da. Gesicht!« auf mich deutet. Das ist mein Schicksal. Ich bin die Max & Moritz-Mortadella aus der SB-Theke im Supermarkt. Manchmal will ich am liebsten das verzogene Gör anschreien, doch die Folie, in der ich liege, erstickt meine Schreie. Manchmal will ich weinen, doch Tränendrüsen landen meistens in Currywurst. Ich stelle meine Existenz in Frage. Ist dieses Paar Augen alles, was mich ausmacht? Ist dieser breit grinsende Mund alles, was ich zu sagen habe? Dabei frage ich mich überhaupt, warum ich grinse. Als ob ich ein bissiges Frettchen in der Hose hätte. Ich habe ja noch nicht mal Hosen. Die einzige gravierende Veränderung meines Daseins wird mein Verzehr werden.

Der Versuch, das Leben aus der Perspektive einer Kindermortadella zu schildern, mag einem blödsinnig erscheinen, fördert aber grandios Kalauerndes zu Tage und manchmal auch Gedanken, über die man sich Gedanken macht, zum Beispiel, wenn er (Daniel Terek als Kindermortadella) feststellt: Mein bester Freund hier drin ist die Cervelat-Wurst. Sie ist die einzige mit ein wenig Hirn.

Daniel Terek gibt Belanglosem einen Sinn, degradiert vermeintlich Wichtiges zum Unsinn. Die 10 Euro für seinen Debütband sind gut investiert, zumal wenn man sie mit einem Besuch einer seiner Lesungen kombinieren kann. Denn er ist nicht nur ein guter Autor, sondern mit seiner Slam-Erfahrung auch ein guter Vortragskünstler. Und das, obwohl er einen Bart trägt, den ich modisch erst nicht akzeptieren konnte. Doch schon bei unserem zweiten Aufeinandertreffen hatte Daniel Terek mich aufgeklärt: MUSTACHE MEANS RESPECT!, schrie er mehrere Male ins Mikrofon und wies zugleich auf den praktischen Nutzen einer üppigen Gesichtsbehaarung hin:

Nicht missen möchte ich es, wenn milde Sommerwinde durchs Haarkleid wehen und verträumt die Borsten tanzen lassen. Im Herbst verhindert der Schnurrbart, dass sich herabfallendes Blattwerk vor Mund und Nase setzt und so einen Erstickungstod herbeiführt. Wenn man im Winter keine Hand frei hat, fängt er flüssigen Nasenschleim auf, den kristallinen Rotz kann man später mit einem handwarmen Kamm ausbürsten. Und im Frühling, wenn das Leben wieder erwacht, es überall raschelt und knistert, wenn es darum geht, Nester für die Aufzucht der Jungen zu bauen, dann ist man als Schnurrbartträger hautnah am Geschehen.

Das ist Daniel Terek. Kauft alle sein Buch, aber bitte jeweils nur einmal. Denn sonst wird er vielleicht größenwahnsinnig, und das könnte bedeuten, schon bald nicht mehr gemeinsam mit ihm auf einer kleinen Lesebühne zu stehen. Soweit darf es natürlich nicht kommen.

Daniel Terek: Der Weltenmampfer | Deutsch
Verlag Andreas Reiffer 2010 | 116 Seiten | Jetzt bestellen

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