Cormac McCarthy: Blood MeridianLoose strands of ambercolored kelp lay in a rubbery wrack at the tideline. A dead seal. Beyond the inner bay part of a reef in a thin line like something foundered there on which the sea was teething. He squatted in the sand and watched the sun on the hammered face of the water. Out there island clouds emplaned upon a salmoncolored othersea. Seafowl in silhouette. Downshore the dull surf boomed. There was a horse standing there staring out upon the darkening waters and a young colt that cavorted and trotted off and came back. … Passing through the salt grass he looked back. The horse had not moved. A ship’s light winked in the swells. The colt stood against the horse with its head down and the horse was watching, out there past men’s knowing, where the stars are drowning and whales ferry their vast souls through the black and seamless sea.

McCarthys Roman »Blood Meridian or the Evening Redness in the West« ist hauptsächlich für eine Sache berühmt: Es kommt sehr viel Mord und Totschlag darin vor. Das Buch spielt zur Zeit der Grenzkriege zwischen den USA und Mexiko um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Ein namenloser Protagonist, im Text nur »the kid« genannt, schließt sich zunächst einer halb-legalen Armee-Einheit an, doch diese wird von den Comanche bis auf wenige Überlebende ausgelöscht. Daraufhin gerät er unter eine Bande von sogenannten Skalpjägern: Mexikanische Stadtstaaten wie Chihuahua zahlten in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts überaus rentable Belohnungen für die Skalpe von Indianern, um die Zahl indianischer Überfälle auf ihre Zivilbevölkerung einzudämmen. Natürlich unterschieden sich die Haare und Kopfhäute der überfallenden Indianer nicht von denen friedlicher Indianer, oder von denen der mexikanischen, spanischen oder gemischten Restbevölkerung. Die Leute, denen »the kid« sich anschließt, nutzen dies zu ihrem Vorteil und morden alles, was ihnen Geld bringt. (Eigentlich morden sie alles, auch wenn es ihnen kein Geld bringt.)

Was den Roman trotzdem mehr als lesbar macht, sind vor allem vier Dinge: Erstens macht das Gemetzel einen viel kleineren Teil des Textes aus, als es auf den ersten, flüchtigen Eindruck scheinen mag. Weitaus mehr Zeit verbringen die Charaktere damit, einfach nur durch die Wüsten- und Gebirgslandschaft der Grenzgebiete zu reiten. Und die Art, in der McCarthy diese Fortbewegung über das Land beschreibt, hat es in sich; sie ist nicht nur so poetisch-schön, dass man die meisten Sätze einfach zweimal lesen will, sondern mystifiziert die sichtbare Welt auf eine Weise, dass man das eigentlich Bekannte als vollkommen fremd wahrnimmt. Hier ein beliebiges Beispiel:

They rode past trapdykes of brown rock running down the narrow chines of the ridges and onto the plain like the ruins of old walls, such auguries everywhere of the hand of man before man was or any living thing.

Der zweite Aspekt, der die Unmenschlichkeit des Geschehens erträglich macht, ist, dass die Gewalt mit eben jener lyrisch-geheimnisvollen Sprachkunst geschildert wird, die auch den Landschaftsbeschreibungen zuteil wird und das Ganze irgendwie verschlüsselt.

Drittens kann man »Blood Meridian« als Weisheitsliteratur bezeichnen; neben der Landschaft werden nämlich auch die Mörder selbst in ihren Dialogen manchmal unglaublich philosophisch und beschäftigen sich mit den zeitlosen Fragen der menschlichen Existenz. Und viertens fehlt, so seltsam es klingen mag, selbst in diesem düsteren Werk nicht der Humor, zum Beispiel wenn einer der Charaktere, der an der fehlenden medizinischen Versorgung in der Wüste kläglich zugrunde geht, während sich bereits Würmer in seinem Arm einnisten, noch kurz zuvor mit felsenfester Überzeugung behaupten kann, dass er wegen seiner Gesundheit nach Westen gekommen sei.

Und wenigstens »the kid« wendet sich irgendwann mit verspäteter Einsicht von all der Grausamkeit ab und versucht ein guter Mensch zu werden.

Cormac McCarthy: Blood Meridian | Englisch
Modern Library 2001 | 368 Seiten | Jetzt bestellen

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