Christopher Buckley: Hohes GerichtAm Dienstagmorgen saß Senator Dexter Mitchell in seinem Büro auf dem Capitol Hill, als das Telefon läutete. Es war Graydon Clenndennynn, der anrief, der Obermandarin persönlich. Die beiden Männer kannten – und verabscheuten – einander. Graydon bezeichnete Mitchell (natürlich niemals öffentlich) als »mittelmäßigen Emporkömmling«. Dexter bezeichnete Graydon (in aller Öffentlichkeit) als »unerträglichen, überbezahlten Egomanen«. Beide Standpunkte entbehrten nicht einer gewissen Richtigkeit.

Ein Posten am Obersten Gerichtshof muss neu besetzt werden, nachdem Richter Brinnin offenbar den Verstand verloren hat. Senator Dexter Mitchell ist Vorsitzender des Ausschusses, der geeignete Nachfolger überprüft. Dexter ist selbst an dem Posten interessiert und lässt deshalb zwei hochqualifizierte Kandidaten aus fadenscheinigen Gründen durchfallen. Der eher simpel gestrickte Präsident der Vereinigten Staaten ist von der Verzögerung frustriert, als er zufällig die Gerichtsshow »Courtroom Six« sieht. Er ist hingerissen vom Charme und dem Sexappeal der Fernsehrichterin Pepper Cartwright und wild entschlossen, ihr eines der höchsten Richterämter des Landes zu verschaffen.

»Barbara Salesch übernimmt den Vorsitz beim Bundesverfassungsgericht« wäre wohl hierzulande das entsprechende Szenario. Buckley schildert den Obersten Gerichtshof als ein Sammelbecken für Paradiesvögel und Exzentriker, das von einem texanischen Cowgirl im Richteramt aufgemischt wird. Peppers Ehemann und Produzent ihrer Sendung fühlt sich nach ihrem Ausstieg betrogen und verklagt sie wegen Vertragsbruch. Er entwickelt einen Racheplan, in dem Dexter Mitchell eine Hauptrolle spielen soll.

Erwartungsgemäß entzieht sich das Geschehen sehr schnell der Kontrolle aller Beteiligten und der Autor treibt es lustvoll auf die Spitze. Sein lakonischer Stil passt wunderbar und bis in die Fußnoten hinein wimmelt es von gepfefferten Spitzen gegen das Showbiz, die Washingtoner Politszene und das amerikanische Rechtssystem. Man beneidet Pepper und ihre Kollegen nicht um die Fälle, die sie bearbeiten müssen: Ein Bankräuber, dessen Waffe versagt, als er sich den Weg freischießen will, und der nun die Herstellerfirma verklagt. Ein männlicher, amerikanischer Ladendieb, der unter einer Burka CDs und DVDs stiehlt und nach seiner Festnahme die Polizei und die Ladenkette wegen rassistischer und religiöser Diskriminierung auf 20 Millionen Dollar verklagt.

Christopher Buckley verfasste bereits die brillanten Satiren »Danke, dass Sie hier rauchen« und »Kleine grüne Männchen«. Auch in diesem Buch gelingen ihm wieder witzige und intelligente Dialoge in einer aberwitzigen Handlung, die allerdings (leider) nie unrealistisch wirkt.

Christopher Buckley: Hohes Gericht | Deutsch von Joachim Körber
KuK Verlag 2011 | 350 Seiten | Jetzt bestellen

1 Kommentar

  1. Im März ist bei Louisoder auch Buckleys Debütroman „Chaos im Weißen Haus“ erschienen.

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