wortmax Moderne Literatur

Janet öffnete die Augen - Floridas prähistorisch gleißendes Licht blendete von draußen ins Motelfenster. Ein Hund bellte; ein Auto hupte; ein Mann sang einen Fetzen eines spanischen Liedes. Geistesabwesend berührte sie die Narbe, die die Kugel unter ihrem linken Rippenbogen hinterlassen hatte, eine Narbe, die knotig, unförmig und hart war wie ein Kaugummi, der unter einer Tischplatte klebt. Sie hatte…

Der einzige Rat, den ich Ihnen geben kann, sollten Sie mit Drehschwindel in einer fremden Wohnung aufwachen, mit einem gut durchwachsenen Kater, ohne einen Fetzen am Leib, ohne jede Erinnerung, wie Sie hergekommen sind, umgeben von Stapeln Hochglanzmagazinen, die Kinder in nicht jugendfreien Stellungen zeigen, während die Polizei – unter wütendem Hundegebell – mit dem Vorschlaghammer auf die Tür eindrischt,…

Es war, als habe sich sein Entschluss im gleichen Augenblick, in dem er eingeschlafen war, als seine Leibwache neben ihm niedergelassen und sei wieder vor die Augen des Herrn getreten, als dieser erwacht war. Man hört öfter von Lesern, die Mosebachs Romane langweilig finden, aber wahrscheinlich lesen sie sie falsch. Man muss sich hier einfach von der Sprache, der Formulierungskunst,…

Wir schreiben das Jahr 1962. In einem Hotel am Chesil Beach kommt es zu einer folgenschweren Begegnung. Zufällig ist dieses Zusammentreffen nicht, im Gegenteil: Florence und Edward zelebrieren dort ihre Hochzeitsnacht. Doch was in den Träumen (zumindest bei einem der frisch gebackenen Eheleute) ein Fest der Liebe und Leidenschaft werden soll, stellt sich tatsächlich als ein Fiasko unbeschreiblichen Ausmaßes dar.…

Conrads Augen richteten sich auf das Allerunwichtigste: Kennys blassblondes Haar, nass, strähnig, angeklatscht; es wurde am Wirbel bereits mächtig dünn. Mit einem Mal sah der unbezähmbare Crash'n'burner sehr schwach und müde aus. Kenny hob den Kopf und versuchte, seine Tränen mit der Hand und dann mit dem Unterarm wegzuwischen, er zwang sich zu einem Lächeln. »Siehste? Ich hatte Recht, stimmt's,…

Literatur einmal ganz anders erleben, diese Möglichkeit bieten in regelmäßigen Abständen die »Tollen Hefte«: eine faszinierende Kombination aus anspruchsvollen Kurzgeschichten und eindrucksvoller Illustrationskunst. Ihren Ursprung hat diese Buchreihe bereits in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Damals erschienen die »Tollen Bücher« im Elena Gottschalk Verlag. 1990 wurde die Idee einer solchen Reihe wieder aufgegriffen, und zwar von dem Münchener Buchsammler…

Tedward »Ted« Wallace ist Theaterkritiker, geistreicher Dampfplauderer, Säufer und Frauenheld in Personalunion. Kann es einen besseren Protagonisten für einen durch und durch britischen Roman geben? Wobei, für einen durch und durch britischen Stephen Fry-Roman natürlich. Das ist ein nicht zu verachtender Unterschied. Wo andere dezent die Geschmacks- und sonstigen Handbremsen anziehen, schaltet die partielle Reinkarnation von Oscar Wilde gleich nochmal…

»DIE KUNST DES VERSCHWINDENS zu lesen ist, als würde man eine endlose Party feiern, zu Ehren aller Dinge, auf die es wirklich ankommt.« - Thomas Pynchon. Daniel Pearse lebt mit seiner jungen Mutter auf einer Farm in Kalifornien, die gleichzeitig Unterschlupf für Rebellen einer Geheimorganisation namens AMO ist, bestehend aus anarchistischen Magiern und Outlaws. Nach dem Tod seiner Mutter übernimmt…

Vielleicht ist jenes Bedürfnis tatsächlich unstillbar, das uns selbst in enzyklopädisch gesicherten Gebieten nach dem Unbekannten, Unbetretenen, von Spuren und Namen noch Unversehrten suchen läßt - nach jenem makellos weißen Fleck, in den wir dann ein Bild unserer Tagträume einschreiben können. Bei diesem Zitat handelt es sich nicht um einen dichterischen Einschub. »Der fliegende Berg« ist ein Roman, aber im…

Jose ist erleuchtet worden. Ich habe ihn dazu gebracht, eine Woche lang seinem Bandito-Dasein zu entsagen. Meine Hütte war die Mönchsklause, ich war der Lehrer. Nachdem Jose mein Weltbild vollkommen aufgenommen hat, ist er ein neuer Mensch. Durch Meditation, Elementarteilchen-Theorie und heimlich mit Peyote versetztem Tequila erkennt er jetzt die Torheit seines Bandito-Lebens. Drogen-Desperados und Quantenmechanik. Wie passt das denn…

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