wortmax Moderne Literatur

Die Blinden auf den Pritschen warteten darauf, dass der Schlaf Mitleid hatte mit ihrer Trostlosigkeit. Unauffällig, als könnten die anderen dem elenden Schauspiel zusehen, hatte die Frau ihrem Mann geholfen, sich so gut wie möglich zu säubern. Jetzt herrschte ein schmerzerfülltes Schweigen im Raum, wie in einem Krankenhaus, wenn die Kranken schlafen und im Schlaf leiden. In einer Stadt steht…

In ihrem ersten Dezember als Individuen gehörten die Zwillinge zu einer Reihe von Heimbewohnern, die man für vier Wochen in der freien Wildbahn aussetzte. Man schickte sie nach London. Diese Entlassung ging mit einer letzten Welle von Privatisierungen einher, die das Albion-Heim – Englands letzte staatliche Institution für Gesundheitsfürsorge, die angeblich für einen unehelichen Sohn Charles' II. gestiftet worden war…

Vor allem konnte ich mich nie wieder ›zum ersten Mal‹ glücklich fühlen; je älter ich wurde, desto mehr wurde das Glück zu etwas, wonach ich strebte, weil ich es gekostet hatte und mehr davon wollte; die Überraschung war für immer verschwunden. In seinen »Erinnerungen an glückliche Tage« beschreibt der französische Schriftsteller Julien Green seine Kindheit in Paris. Entstanden ist das…

Und ich konnte nur versuchen, ihrem Vater zu erzählen, dass seine Kinder versuchten mich umzubringen. Am Abendbrottisch oder wenn er hereinkam, um uns einen Gute-Nacht-Kuss zu geben, schüttelte ich meinen Kopf und versuchte mein Bestes um mit meinen Fingern etwas zu buchstabieren, das er verstehen konnte. Und er sagte zu seinen Kindern, »wenn ihr heute Nacht das Licht ausmacht, dann…

[Dr. Kravitz] »Also gut, eins, zwei, drei und los geht's. Proband legt sich auf Couch, er fällt ins Koma, wir stöpseln ersten Stecker ins Hirn, wir stöpseln zweiten Stecker in Zentralrechner und BUMMS! der Proband träumt, was der Zentralrechner ausspuckt. Wir nennen das eine virtuelle Reise. Alice im binären Wunderland, sozusagen.« Eine Besprechung dieses Buches muss zwangsläufig mit der Aufmachung…

Wenn ich die Augen schließe, kann ich die Manege sehen, die gestreiften Zeltbahnen, die diese Wunderwelt vor den Augen der Nichteingeweihten bewahren. Hoch oben erspähe ich das Trapez, an dem bald kopfüber der Artist furchtlos baumeln wird, nachdem die Seiltänzerin ihren waghalsigen Gang über das straff gespannte Seil vollendet hat. Außerhalb des Zirkuszeltes werde ich vom Gestank der verfallenen Hinterhöfe…

»Ich bin dazu verdammt, mit der Erinnerung an einen Jungen mit einer entsetzlichen Stimme zu leben.« So spricht John Wheelwright, einer der beiden Hauptcharaktere in Irvings epochalem Roman. Wir verfolgen in Rückblenden die Jugend des kleinen Johnny, die überschattet wird vom tragischen Tod seiner Mutter, wir erfahren von seiner tiefen Freundschaft zu eben jenem bemerkenswerten Owen Meany, der nicht nur…

»Na ja, es ist der Kerngedanke fast aller indianischen Kulturen. Die Nootka reklamieren ihn für sich, aber ich schätze, anderswo sagen die Menschen dasselbe in anderen Worten: Alles ist eins. Was mit dem Fluss passiert, passiert mit den Menschen, den Tieren, dem Meer. Was einem geschieht, geschieht allen.« »Stimmt. Andere nennen es Ökologie.« Der Wissenschaftler Leon Anawak hat eigentlich mit…

Ein vermutlich einst rotes Tuch um seinen Hals fängt den Schweiß auf, der ihm ausgedörrt und sattelmüde, wie er ist, noch aus den Poren tritt. Eine weiche, löchrige Weste, ein graues Hemd, abgewetzte rindslederne Chaps über dunklen Jeans, die in schmutzverkrusteten spitzen Stiefeln stecken, das alles verschlissen und staubig, nass geworden vom Regen, getrocknet von Sonne und Wind. Das ist…

Vor zwei Monaten hatte Manny noch vierundvierzig Leute beschäftigt, zwanzig davon Vollzeit. Wenn er heute Abend die Tür abschließt, werden bis auf fünf alle ihren Job verloren haben, und einer von diesen fünfen – ungerechterweise, denn er war ihr Vorgesetzter – wird er selbst sein. Am Montag werden die Verbliebenen im Olive Garden in Bristol anfangen, eine zusätzliche Viertelstunde Fahrzeit,…

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