Beiträge von Renate Bojanowski

»...die interessanteste Sache der Welt ist, rauszukriegen, wie dein Gegenüber sein Brot verdient.« Disko Troop (Kapitän der »We're Here«) Harvey Cheyne ist der Erbe eines Millionenvermögens. Seinem Vater gehören Eisenbahnen, Bergwerke und Wälder. Er ist verwöhnt, überaus privilegiert und verzogen. Wie kann sich so ein Mensch entwickeln? Rudyard Kipling gibt die Antwort darauf in seinem Bildungsroman »Über Bord«, höchst rasant…

Wer sich im Dschungel der Bücher-Erstauflagen des vergangenen Jahres zurechtfinden möchte, muss sich einen Weg durch stolze 74.000 Exemplare bahnen. Eine unmöglich zu bewältigende Menge. Die Liste der Bücher, die einfach von der Liste des Buchhandels verschwinden, vergriffen oder nur noch in Restbeständen schwer zu bekommen sind, ist genauso lang. Manchmal schlägt die Zeit dem Teufel ein Schnippchen, natürlich mit…

»Wohin geht jemand, der nicht weiß, wohin er gehen soll?« Gleich zweimal findet man diese Frage in Jenny Erpenbecks neuestem Roman »Gehen, ging, gegangen«. Unübersehbar breitet sie sich auf zwei ansonsten leeren Seiten aus und lässt im Kopf des Lesers gleich eine Hand voll neue aufkommen: Was wird aus dem Menschen? Wer kümmert sich um ihn? Was hat er bisher…

»To lose a passport was the least of one's worries: to lose a notebook was a catastrophe.« (Bruce Chatwin: »The Songlines«) Der englische Schriftsteller Bruce Chatwin reiste für Interviews und Berichte um die ganze Welt. Seine berühmten Notizbücher, die ihn überall hin begleiteten, nannte er liebevoll »carnets moleskines«. Im Jahr 1977 brach er in die Volksrepublik Benin auf, um über…

Zugegeben, der Rezensentin Sympathie für Taschenbücher hält sich in Grenzen. Es sei denn, man findet ein Exemplar, das sich ob seines gestalterischen Mutes erheblich von den anderen unterscheidet: wie der im März erschienene Sammelband »April, Sturm und andere Turbulenzen«, herausgegeben von Heike Guderjahn bei der Edition Büchergilde. Bevor sich der Leser den dreizehn Geschichten von der Liebe zuwenden kann, verführt…

Der Weltflüchtlingstag am 20. Juni ist seit diesem Jahr in Deutschland gleichzeitig der Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung. Nach der Zählung des UNO-Hochkommissariats gab es 2014 weltweit die höchste Flüchtlingszahl seit dem 2. Weltkrieg: 51,3 Millionen Menschen. Ein Zehntel davon wurde dazu getrieben, die angestammte Heimat zu verlassen. International gibt es derzeit 1,4 Millionen Vertriebene, davon ca.…

Er war Mitbegründer der Satirezeitschriften »Pardon« und »Titanic«, zählt neben Robert Gernhardt und F. K. Waechter zur »Neuen Frankfurter Schule«, nennt eine staatliche Anzahl von Preisen sein Eigen (seit neuestem den Wilhelm-Busch-Preis 2015) und arbeitet mit knapp 86 Jahren immer noch. Kinderbuch, Bildgedicht, politischer Cartoon, Buchillustration – Zeichnen mache glücklich, sagte er einmal. Kaum hat er für die Büchergilde Gutenberg…

»Ich glaube, es war wegen der Ziegenmilch, warum ich so kräftig und stark geworden bin ...« Man nehme Geschichten aus den ersten 25 Jahren seines Lebens und bringe seinen Großvater dazu, seine Erlebnisse dieser Zeit zu erzählen. Man plaudere in lockerem Ton ungezwungen über Freundschaft, die erste Liebe im Besonderen oder das Verhältnis zu Frauen im Allgemeinen, über Kunst und…

»In einer Nacht wie dieser ... eine Verabredung mit wem? Die heutige Welt schlief, und meine Welt erwachte erst, wenn die Droge mich in ihre Gewalt bekam ... Ich parkte den Wagen dicht am Graben, kletterte über das Tor zum Feld und suchte meinen Weg zu der Grube neben dem Steinbruch, denn hier hatte einst die Eingangshalle gelegen. Dort im…

»Ich bestehe darauf, dass ihr dieses Buch so bald wie möglich lest. Ich bin zufällig darauf gestoßen -, und es hat mich dermaßen beeindruckt, dass ich sofort an Hatchards geschrieben und zwei Dutzend bestellt habe. Ich habe mir vorgenommen, es jedem zu schenken, dem ich begegne.« Francis Wyndham: (»Der andere Garten«) Die Möglichkeiten, arabische Literatur in deutscher Übersetzung lesen zu…

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