Beiträge von Andreas Zwengel

Zwanzig Meter. Fünfzehn Sekunden. Diese Zahlen hat ihm Jinji eingetrichtert. Die Entfernung zur zweiten Schleuse. Die Zeit, die ein nackter menschlicher Körper im blanken Vakuum überleben kann. Fünfzehn Sekunden bis zur Bewusstlosigkeit. Dreißig Sekunden bis zu irreversiblen Schaden. Zwanzig Meter. Zehn Schritte. Lucasinho lächelt der schönen Abena Asamoah zu. Dann plötzlich blitzen die roten Lichter. Lucasinho ist auf den Beinen,…

Sein Phonograph spielte viel zu laut. Was zum Teufel sollte aus dem neuen Jahrhundert werden? Was war zu erwarten? Er war sicher, es würde ein Jahrhundert des Lärms werden. Und zu wie vielen dieser neuen Geräusche hatte er seinen Beitrag geleistet? Er fragte sich oft, für wie viele seiner Erfindungen er schon bald Abbitte leisten musste, weil grässlicher Missbrauch damit…

Sechs Monate später klingelte mein Handy genau in dem Moment, als sich ein junger Ladendieb bei dem Versuch, sich meiner Handschellen zu entledigen, hoffnungslos auf dem Rücksitz meines Wagens verheddert hatte, während eine rasch anwachsende Schar von neugierigen Bürgern sich in vereinter Empörung versammelt hatte und mich mit Handykameras und erbitterten Hass umkreiste. Am anderen Ende war Stella, und ihre…

Der Tag, an dem sich alles änderte, begann wie jeder andere. Um exakt fünf nach sieben, wie immer – mit dem Radiowecker. (...) Der Sender brachte normalerweise nach den Nachrichten etwas Fröhliches und Aufmunterndes. Doch an diesem Morgen, um fünf nach sieben, war alles anders. Es ertönte ein Requiem. Danach meldete sich der Moderator zu Wort. Die düsteren Klänge waren…

Terry Lawson fährt durch Edinburgh, das ihm billig und zweitklassig erscheint. Eine Stadt, niedergeschmettert von ihrem eigenen Mangel an Ambition, elendig unzufrieden mit ihrem Status als nordbritische Provinzstadt und dennoch unwillig, sich einer glänzenderen Zukunft als europäische Kapitale zu stellen. Düsterer Stimmung macht er sich auf den Weg zum Haymarket, um Drecksbulle zu treffen. Terry Lawson, ein muskelbepackter, lockenköpfiger Taxifahrer…

Wenn er einen ganz bestimmten Augenblick angeben müsste, als es anfing, dann wäre das jener Moment, in dem er dem Junkie vor der Da-Vinci-Apotheke einen Hieb versetzt hatte. Schon die ganze Woche vor dem Faustschlag hatte Snowe eine gewisse ... na ja: Sensibilität ... an sich bemerkt. So als ob er die Gefühle anderer Menschen spüren könnte. Am Mittwoch, nach…

Holly Sykes und der schräge Scheiß, 1. Teil. 1976 war ich sieben Jahre alt. Es gab den ganzen Sommer über keinen Regen, und die Gärten wurden braun. Ich weiß noch, dass Brendan, Mam und ich mit unseren Eimern an der Zapfstelle in der Queen Street Schlange standen, weil das Wasser so knapp war. In diesem Sommer fing es an. Ich…

Lucy betrachtete das Dorf Bury, das in der Senke des Tales ruhte oder sich, wie er dachte, Strandgut gleich dort angehäuft hatte. Es war ein malerischer Ort, und doch – wenn sein Blick nun über den dicht gedrängten Weiler schweifte, empfand er ein Gefühl der Niederlage, der vagen Abscheu. War er hier jemals etwas anderes als ein Außenseiter gewesen? Die…

Elvis zog den Kittel herunter und die Decke wieder hoch, lehnte sich zurück und wünschte sich ein Erdnussbutter- und Bananensandwich, in Butter frittiert. Es hatte eine Zeit gegeben, in der er und seine Truppe seinen Privatjet bestiegen hatten, um quer durch das ganze Land zu reisen, nur um ein spezielles frittiertes Erdnussbutter- und Bananensandwich zu bekommen. Er konnte diese verdammten…

Es gab Geschichten, die der Schweiß erzählte. Der Schweiß einer Frau, die in sengender Hitze gebückt vierzehn Stunden auf einem Zwiebelfeld arbeitete, war anders als der Schweiß eines Mannes, der sich einem Checkpoint in Mexiko näherte und La Santa Muerte anflehte, die federales mögen nicht auf der Lohnliste der Leute stehen, vor denen er floh. Die USA leiden unter einer…

Close